Staat und öffentlicher Dienst in Europa:
dbb-Bildungsreise führte nach Madrid
Wie gewohnt bot die jährliche Bildungsreise des dbb sh unter dem Motto: „Staat und öffentlicher Dienst in Europa“ den Teilnehmenden wieder die nahezu einmalige Möglichkeit, mit Behördenvertretern und Verbänden eines anderen Landes über dortige Strukturen und Herausforderungen in einen intensiven Austausch zu gehen. Diesmal hieß es: „Vive la vida“ in der spanischen Hauptstadt Madrid.
Schon bei der Stadtführung am ersten Tag offenbarte sich, dass die Stadt neben Politik auch architektonisch und kulturell einiges zu bieten hat. Da bei klassischen Reisezielen in Spanien oft erst an die balearischen Inseln oder andere Küstenregionen gedacht wird, waren die Teilnehmenden von der kosmopolitischen Atmosphäre und den vielen Prachtbauten umso mehr überrascht. Während der Woche verdichtete sich der Eindruck: Madrid wird aus der Ferne betrachtet unterschätzt! Ein besonderes Highlight: Der Besuch einer Bar mit Blick über das Stadion des Fußballclubs „Real Madrid“.
Der zweite Tag begann mit einem Besuch des spanischen Parlamentsgebäudes für den Kongress. Bei der Führung ergab sich die Erkenntnis, dass föderalistische Strukturen nicht nur in Deutschland Herausforderungen bergen: Die 17 autonomen Regionen in Spanien, die in etwa unseren Bundesländern entsprechen, verfügen nicht alle über gleiche Gesetzgebungskompetenzen. Während Katalonien beispielsweise die Zuständigkeit für den Strafvollzug und Bildung zuerkannt wurde, werden die Felder in anderen Regionen zentral aus Madrid gesteuert. Gespräche mit Vertreterinnen der deutschen Botschaft über bilaterale Beziehungen und die Aufgaben des Auswärtigen Amtes und mit einem Vertreter des Goethe Instituts zum Sprachaustausch und kulturellen Aspekten rundete den Tag ab.
Während am dritten Tag Kultur auf dem Programm stand, neben einer Stadtführung besuchte die Seminargruppe das Prado- Museum, erdete der Besuch beim „CSIF“ (spanisches Pendant des dbb) wieder. Der stellvertretende Bundesvorsitzende des CSIF berichtete über erhebliche Probleme bei der Nachwuchskräftegewinnung und dem steigenden Altersdurchschnitt. Für die Teilnehmenden beeindruckend: In Spanien gelang es dem CSIF, in einigen Verwaltungszweigen zur Attraktivitätssteigerung die 35-Stunden-Woche durchzusetzen! Das ist mal ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist gut und wichtig, dass die europäischen Dachverbände und Gewerkschaften für den öffentlichen Dienst unter dem Dach der CESI (Europäische Union der unabhängigen Gewerkschaften) organisiert sind und sich so nicht nur vernetzen und in Zielen abstimmen, sondern auch von Erfahrungen gegenseitig profitieren können.
Der Besuch der früheren spanischen Hauptstadt Toledo rundete den vierten und letzten Seminartag schließlich ab. Die 90.000 Einwohner zählende Stadt überzeugt neben ihrer malerischen Hügellage am Fluss Tajo. Die beeindruckende Kathedrale und die unzähligen historischen Gebäude erzählen ihre eigene Geschichte und luden die Teilnehmenden auch nach der Führung zum Verweilen ein.
Die Bildungsreise wurde von der dbb-Landesgeschäftsstelle mit Unterstützung der Europa-Abteilung der dbb Bundesgeschäftsstelle vorbereitet. In Madrid lag die Verantwortung in den Händen von Annabell Schrödter (DPolG im dbb) und Henry Mallon (BSBD im dbb). Der dbb sh gibt jährlich ein Seminarprogramm mit etwa 40 Veranstaltungen heraus, welches vor allem Seminare zum Tarif- und Beamtenrecht, aber auch Bildungsreisen beinhaltet. Damit besteht auch die Möglichkeit, den in Schleswig-Holstein bestehenden Anspruch auf Bildungsurlaub zu nutzen.
